![]() Congenital Bone Marrow Failure Syndromes |
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Deutsches Register für Congenitale Dyserythropoietische Anämien (CDA)
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Blutausstrich bei kongenitaler dyserythropoietischer Anämie Typ II In dem bei starker Vergrößerung aufgenommenen Ausschnitt (re)erkennt man eine basophil punktierte Zelle. |
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Wenn eine Familie betroffen ist, tritt die Krankheit im allgemeinen nur bei Geschwistern, nicht aber bei deren Eltern oder deren Kindern auf. Dabei kann, dem Zufall folgend, nur ein Mensch oder mehrere in der Geschwisterreihe erkrankt sein. Wir werden häufig gefragt, ob Menschen mit CDA gefahrlos Kinder bekommen können. Wegen der Seltenheit der Anlage in unserer Bevölkerung ist davon auszugehen, dass ein Teil der Kinder zwar die Krankheitsanlage erben, jedoch
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Blutausstrich bei kongenitaler dyserythropoietischer Anämie Typ II (li). Knochenmarkausstrich bei kongenitaler dyserythropoietischer Anämie Typ II (re) Charakteristische mehrkernige reife Normoblasten |
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ebenso wie ihre Nachkommen völlig gesund sind. Auch für betroffene Frauen ist Schwangerschaft und normale Entbindung möglich. Allerdings sollten erkrankte Frauen, die eine Schwangerschaft planen, frühzeitig für eine Abstimmung zwischen dem Hämatologen und dem Frauenarzt sorgen. Dasselbe gilt für Eltern, die bereits ein betroffenes Kind haben. Für die perikonzeptionelle Prophylaxe von Fehlbildungen des Neuralrohrs sollte die nach neueren Erkenntnissen angebrachte Dosis von 1 mg Folsäure täglich verwendet werden.
Auch bei der kongenitalen dyserythropoietischen Anämie vom Typ I (CDAI) ergibt sich der Diagnoseverdacht aus den bei CDA II aufgeführten Befunden. Allerdings ist bei Patienten mit CDA I die Anämie meist makrozytär - hyperchrom mit MCV-Werten bis zu 120 fl, so dass nicht selten zunächst die Diagnose einer megaloblastären Anämie gestellt wird. Eine Behandlung mit Folsäure oder Vitamin B12 ist immer ohne Wirkung. Die Anämie ist im Durchschnitt etwas stärker ausgeprägt mit ebenfalls sehr variablen Hämoglobinwerten zwischen 7 und 12 g/dl. Der Diagnosebeweis beruht auf den charakteristischen Veränderungen im Blutausstrich und den hochspezifischen Veränderungen der Erythroblasten im Knochenmark bei lichtmikroskopischer und noch eindeutiger bei elektronenmikroskopischer Betrachtung. Bei fast allen Familien mit CDA I wurden verschiedene Mutationen des am Chromosom 15q15 lokalisierten CDAN-I Gens gefunden, welches das Codanin-I -Protein codiert, dessen Funktion in der Erythropoese allerdings noch nicht bekannt ist. Ob diese Mutationen allen Familien mit dem Phänotyp CDA I zugrunde liegen und in welcher Weise sie für die Ineffektivität der Erythropoiese verantwortlich sind, ist bisher offen; der Diagnosebeweis beruht deswegen auch heute noch auf den - besonders im Elektronenmikroskop spezifischen - morphologischen Veränderungen in Verbindung mit dem Nachweis einer der bisher bekannten Mutationen. Die für die Diagnose der CDA II spezifischen nicht-morphologischen Teste sind bei CDA I durchweg negativ.
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Blutausstrich eines Patienten mit CDA I (li) Auschnitt (re)Ein grob basophil getüpfelter Erythrozyt und eine Targetzelle, wie sie auch bei Thalassämien, dort allerdings weit häufiger, vorkommt. |
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Knochenmarkausstriche eines Patienten mit CDA I. Kernbrücke (li) und teilweise verwaschene Kernstruktur (re, unterer rechter Bildteil) |
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Außer den drei klassischen Typen gibt es einige noch nicht endgültig klassifizierte Varianten, die morphologisch meist der CDAII ähneln und schwerer verlaufen als diese. Inwieweit die therapeutischen Empfehlungen auf diese Formen anzuwenden sind, ist offen.
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Blutausstrich eines Patienten mit einer CDA II ähnlichen Variante, nach Splenektomie. Zahlreiche reife Erythroblasten mit atypischen Kernen. |
Bei allen Formen der CDA wird die korrekte Diagnose teilweise erst im Erwachsenenalter gestellt, vor allem bei den leichter betroffenen Patienten. Häufigste Fehldiagnosen sind bei CDA II angeborene hämolytische Anämien verschiedener Klassifikation, bei CDA I megaloblastäre Anämien.
Die meisten Patienten mit einer CDA haben eine normale Lebenserwartung, sind aber durch direkte Krankheitsfolgen gefährdet. Dazu gehören:
Die sehr häufige Bildung von Gallensteinen, vor allem bei CDA II. Wir sind derzeit dabei zu ermitteln, ob die Gallensteinbildung durch eine frühe Behandlung vermindert werden kann.
Die plötzliche Verstärkung der Blutarmut durch bestimmte Virusinfektionen ("Parvovirus B19"). Bei derartigen aplastischen Krisen handelt es sich um ein einmaliges, gegebenenfalls aber doch gefährliches Ereignis, das meist vorübergehende Erythrozytentransfusionen nötig macht.
Die sekundäre Hämochromatose, bedingt durch eine gering, aber konstant erhöhte Eisenresorption und u. U. verstärkt und beschleunigt durch Erythrozytentransfusionen. Die vermehrte Ansammlung von Eisen im Körper kann bei ausgeprägter Eisenmenge zu Schädigungen des Herzens, der Hormondrüsen und der Leber führen.
In einzelnen Fällen eine tumorartige extramedulläre Blutbildung paravertebral oder in der Lunge.
Bei älteren Patienten das Auftreten kaum abheilenden, vor allem paramalleolär lokalisierten Unterschenkelgeschwüren.
Befundkontrollen sind im Kindesalter häufiger, im Erwachsenenalter seltener, aber immer lebenslang nötig. Die Kontrollabstände sind je nach Schwere und Gefährdungsgrad individuell festzulegen. Bei Erwachsenen reicht u. U. eine internistische oder fachhämatologische Untersuchung einmal im Jahr aus. Wichtigste Untersuchungsverfahren sind außer der Zwischenanamnese und der körperlichen Untersuchung das Oberbauchsonogramm, das Blutbild, indirektes und direktes Serumbilirubin, Serumferritin, Blutglukose (Hb-A1c ist zur Feststellung Beurteilung eines Diabetes mellitus anglich wie bei hämolytischen Anämien nicht verwertbar!) und TSH zur rechtzeitigen Erkennung einer latenten Hypothyreose. Bei Laborzeichen einer Eisenüberladung (Anstieg des Serumferritins auf Werte von 1000 ng/ml oder höher) oder bei Zeichen gestörter Organfunktion weitere Teste zur Erkennung von Organschäden durch eine sekundäre Hämochromatose. Vor Beginn einer Eisendepletionstherapie, wenn irgend möglich, nicht invasive Bestimmung des Lebereisens1, welche eine sichere Beurteilung des Behandlungserfolgs erlaubt.
Grundlage der Behandlung ist die Sicherung der Diagnose und die Feststellung des CDA-Typs durch spezielle Untersuchungen, die am Ulmer Zentrum oder von einigen anderen mit der Erkrankung vertrauten Kliniken in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Fachärzten für pädiatrische oder internistische Hämatologie erfolgen kann. Nur aufgrund einer Festlegung des Subtyps und einer Abschätzung der krankheitsbedingten Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität sowie der zukünftigen Gefährdung kann entschieden werden, ob man der Patientin/dem Patienten zu einer bestimmten Behandlungsmaßnahme raten muss und raten kann:
Bei CDA II nach der üblichen Infektionsprophylaxe (Impfung) die Splenektomie, mit der regelmäßig eine Besserung der Anämie erreicht wird, welche die Tendenz zur Eisenüberladung aber nicht beseitigt. Nach Splenektomie Auffrischimpfung mit polyvalenter Pneumokokkenvaccine in 5-jährigen Abständen und sofortige Behandlung mit bakteriziden Antibiotika bei Verdacht auf bakteriellem Infekt.
Bei CDA I die Behandlung mit Interferon-α, ebenfalls zur Besserung der Anämie und zur Prävention oder Verminderung der Eisenüberladung.
Bei allen Patienten mit organgefährdender Eisenüberladung die Depletionsbehandlung durch Aderlässe bei nur gering ausgeprägter Anämie und / oder Eisenchelat-bildnern wie Deferoxamine (Desferal®) oder Deferasirox (Exjade®). Beide Präparate sind zur Behandlung der nicht durch Transfusionen bedingten Hämochromatose nicht zugelassen. Sollte der Versicherungsträger einer Behandlung nicht zustimmen, ggf. Rückfrage beim Ulmer Register. Desferal® muss subkutan als Dauerinfusion mit Pumpe verabreicht werden, während Exjade® (für dieses neuere Präparate liegen noch keine langjährigen Erfahrungen bei CDA vor) einmal täglich oral eingenommen wird. Bei beiden Substanzen sind die unerwünschten Nebenwirkungen und die Dosisanpassung, wie in der Information für Fachkreise beschrieben, zu beachten.
Da die endogene Erythropoetinproduktion adäquat erhöht ist, ist eine Erythropoetin-behandlung nicht sinnvoll und auch aus wirtschaftlichen Erwägungen nicht angebracht. Vitaminsupplemente sind, außer bei nachgewiesenem Mangel, unwirksam und unnötig, die Gabe von Eisenpräparaten ist kontraindiziert.
Patienten mit CDA sollten einen Patientenpass mit Angabe der Diagnose, des zuständigen Arztes und ggf. Angabe der Splenektomie mit sich führen!
Wickramasinghe SN. Congenital dyserythropoietic anaemias: clinical features, haematological morphology and new biochemical data. Blood Rev 1998; 12:178-200.
Heimpel H, Maier K, Kohne E. Kongenitale dyserythropoietische Anämien: Klinisches Bild und neue Erkenntnisse zu Epidemiologie, Pathogenese und Behandlung. Monatsschr Kinderheilkd 1999; 147(11):992-999.
Heimpel H, Anselstetter V, Chrobak L, Denecke J, Einsiedler B, Gallmeier K et al. Congenital dyserythropoietic anemia type II: epidemiology, clinical appearance, and prognosis based on long-term observation. Blood 2003; 102(13):4576-4581.
Heimpel H. Congenital dyserythropoietic anemias: Epidemiology, clinical significance and progress in understanding their pathogenesis. Ann Hematol 2004; 83(9):613-621.
Heimpel H, Schwarz K, Ebnöther M, Goede J, Heydrich D, Kamp T et al. Congenital dyserythropoietic anemia type I (CDA I): Molecular genetics, clinical appearance and prognosis based on long-term observation. Blood 2006; 107(1):334-340.
Heimpel H, Iolascon A. Congenital dyserythropoietic anemia. In: Beaumont C, Beris Ph, Beuzard Y, Brugnara C, editors. Disorders of homeostasis, erythrocytes, erythropoiesis. Paris: European School of Haematology, 2006: 120-142.
Prof. emerit. Dr. med. Hermann Heimpel |
Prof. Dr. med. Elisabeth Kohne |
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Deutsches Register für
kongenitale dyserythropoetische Anämien |
Universitätsklinik für Kinder-und Jugendmedizin |
[1] Derzeit in D nur möglich bei PD Dr.med. Dr.rer.nat. Peter Nielsen, Institut für physiologische Chemie, Martinistr.52, D-20206 Hamburg, Terminvereinbarung per Fax 040 42803 4797 und mittels MRT in einigen universitären röntgendiagnostischen Einrichtungen.
aktualisiert am 25.07.2008